Rotlackierte Fingernägel

auf weißem Laken

Von Sabine Langenbach

Früher gab es für sie keine Ruhepausen. Immer war etwas zu tun. Sogar abends vor dem Fernseher wurde gestrickt. Und nun: Zwangspause. Die Krebserkrankung hatte dafür gesorgt. Sie seufzte. Dieses „ans Bett gefesselt sein“ war gar nicht ihr Ding.

Wie froh war sie, dass sie mit ihrer Tochter mal über etwas Banales reden konnte. „Mama, welche Farbe soll ich für mein neues Auto nehmen: grün oder grau?“, hatte sie gestern gefragt. Sie hatte grün vorgeschlagen. Grün wie die Hoffnung – die es für sie medizinisch gesehen  nicht mehr gab. Aber sie sah ihre Zukunft dennoch „grün“ – hoffnungsvoll.  In den Gottesdiensten, die sie besucht hatte, war doch immer davon die Rede: Es gibt ein Leben nach dem Tod! Das Beste kommt noch!

Für manchen in ihrer Familie waren das nur fromme Durchhalte-Parolen – für sie war es Gewissheit.

Ihr Blick fiel auf den Kalender: 7. Dezember. Wie viele schöne Erinnerungen verknüpfte sie mit den Wochen vor Weihnachten? Sie summte „Stille Nacht“ vor sich hin. Die Zeile „Christ der Retter ist da“ hatte plötzlich eine ganz neue Bedeutung für sie. Noch 17 Tage bis Heiligabend.

Am nächsten Tag ging es ihr viel schlechter. Die Familie wurde zusammen gerufen. Sie nahm all ihre Kraft zusammen und sagte, dass sie Weihnachten feiern wollte. Ein letztes Mal. Mit allen zusammen. Mit Gottesdienst und Bescherung. Jetzt – nicht erst am 24.Dezember.

Das kleine Hospiz-Zimmer verwandelte sich dank der Mitarbeiter in ein Weihnachtszimmer. Sie halfen ihr auch beim Anziehen, sodass sie im Rollstuhl in die kleine Kapelle zum Weihnachtsgottesdienst gebracht werden konnte, dass erst der 9. Dezember war, störte niemanden. Sie freute sich, dass alle da waren: ihr tapferer Mann, die Kinder und Enkel und dass der Pfarrer klar sagte, , dass Christus für jeden ganz persönlicher Retter und Erlöser sein will. Bei „O du fröhliche“  konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurück halten. Es war eine Mischung aus Trauer, Dankbarkeit und Freude. Ihr Gesicht strahlte so sehr, dass man ihr die Krankheit für kurze Zeit nicht mehr ansah. Ihrer Tochter fiel die Veränderung auf: „Mama, du hast ein Adventsgesicht! So voller Vorfreude, Hoffnung und Zuversicht!“, sagte sie laut, dass alles es hören konnten.

Dieses „Adventsgesicht“ hatten alle ein paar Tage später vor Augen und im Herzen als ihre rotlackierten Fingernägel endgültig zum Stillstand gekommen waren.

Buchcover Sabine Langenbach 24 Begegnungen zum Staunen im Advent

Buch zu gewinnen!

Aus dem Buch „24 Begegnungen zum Staunen im Advent“, Sabine Langenbach, Neufeld Verlag , 9,90 Euro.

Wir verlosen ein Exemplar des Buches. Es gibt zwei Wege zur Teilnahme:

Diesen Post bis zum 12. Dezember, 16 Uhr, auf Facebook teilen

oder uns bis 12.12.2020, 16 Uhr, eine Mail an advent@christen-in-altena.org schreiben mit dem Stichwort Staunen – dann bitte gleich Namen und Adresse nennen.

Wer den Beitrag auf Facebook teilt und nachher gezogen wird, den kontakten wir und lassen uns die Adresse geben. Wie immer gilt: Rechtsweg ausgeschlossen. Viel Erfolg!

Montags-Impuls auf Youtube

Einen Montags-Impuls der „Dankbarkeits-Botschafterin“ Sabine Langenbach gibt es auch auf Youtube: https://youtu.be/NvJMfK1zWWc

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